Mein Hund darf Decken - DTK - Gruppe Lüneburg

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Mein Hund darf Decken

Tipps zum Teckel > gesammelte Werke
MEIN HUND DARF DECKEN
Hilfloser Akt in zwei Teilen
(erschienen Wild & Hund, 16.08.2007)

Mein Hund darf decken
Selbst wenn ein Hund den ganzen Tag Schwung von Leistungsabzeichen hat, die seine herausragenden Eigenschaften bezeugen, kommt er noch lange nicht so einfach zum Decken. Es sei denn, der Halter ist in einem entsprechenden Zuchtverein und dort womöglich in führender Position

Von Roderich Götzfried

Ich war nie in einer führenden Position eines Zuchtvereines, weil ich meine freie Zeit den Hunden und der Jagd widmete. Wirklich gute jagdliche Erbanlagen gingen so verloren. Nunmehr erhielt ich aber zu meiner freudigen Überraschung den Anruf einer Damen, die meinen „Filou“ für ihre Teckelhündin als Deckrüden haben wollte. Der Hund hatte also die zahlreichen Leistungsprüfungen doch nicht umsonst absolviert, er durfte nunmehr seine hervorragenden Veranlagungen weitervererben.
Nach längerer Autobahnfahrt, die „Filou“, der von seinem Glück noch nichts wusste, verschlief, erreichten wir die Hundehalterin samt Hündin. Beide machten einen guten Eindruck. Sie hatte ein schmuckes Häuschen mit Garten, die Hündin harsches Haar und nicht zu kurze Läufe.
Draußen auf der Veranda war gedeckt, wir sollten offenbar bei Kaffee und Kuchen die Hochzeiter beobachten. Beide Hunde zeigten sofort großes Interesse aneinander. Für die Hündin war es der Tag der Tage, sie schnalzte regelrecht mit ihrer Rute und kringelte damit den maßgebenden Bereich zielscheibenartig ein. Gäbe es auch in unserem Leben immer nur so eindeutige Angebote, wäre vieles viel einfacher und es gäbe nicht so viele Enttäuschungen.
Mein „Filou“ schien von Anfang an hell begeistert zu sein. Zunächst umkreiste es tänzelnd seine Braut, dann überhäufte es sie mit Küssen, hinten und vorne, mehr aber hinten. Wir überspielten fachsimpelnd die Situation bei Kaffee und Kuchen, schielten aber verschämt und verstohlen immer wieder zum Liebespaar hin, was mit seinem Paarungsreigen die ganze Rasenfläche ausnutzte. Die Hündin stellte sich jetzt immer öfter, aber mein Rüde konnte damit nicht viel anfangen. Nach wie vor verwechselte er immer wieder vorne mit hinten, ja sogar seitlich suchte er seine Chance. Meine Stimmung sank. Jetzt hatte es endlich einmal Gelegenheit, Vater zu werden, jetzt durfte es sogar ganz offiziell und dann so etwas. Ich schämte mich regelrecht vor der Gastgeberin.
Man hätte einen Hundekuppler einschalten müssen, in Dackelvereinen gibt es sicherlich solche Leute, vielleicht gehören sie sogar dort zum erweiterten Vorstand. So ein Kuppler brächte das Paar sicherlich sehr schnell zusammen, er bräuchte dabei wahrscheinlich nicht einmal seine Zigarre aus dem Munde zu nehmen.
Wir beide aber waren ziemlich hilflos. Zwar hatten wir zwischenzeitlich die große Kaffeekanne geleert und den Kuchen verputzt, aber unseren Hunden konnten wir keinen Schritt weiterhelfen.
Meine Verstimmung stieg, was hatte ich da nur für eine Flöte von Hund. Auf Prüfungen machte er erste Preise und bei der Prüfung seines Lebens versagte er. So ein Depp! Wie immer in solchen Fällen übernahm die Dame des Hauses die Initiative. „So geht das nicht weiter“, sagte sie und räumte den Tisch ab. „Die Hunde müssen auf den Tisch, ich halte meinen und Sie den Ihrigen“, kommandierte sie energisch.
Auch auf dem Tisch machte mein Hund keine bemerkenswerten Fortschritte. Er bearbeitete das Zielgebiet nach wie vor mit einer Stümperhaftigkeit, die nicht mehr zu überbieten war. Plötzlich zischte mir die Damen, deren Stimmungshoch sich sichtlich dem ihrer Hündin angepasst hatte, zu: „Einführen“.
Wie stellte sich die gute Frau das überhaupt vor? Zwischen uns stand der Gartentisch und darauf befanden sich zwei Hunde! Und da sollte ich? Oder wie? Gott, hatte ich mich da in eine peinliche Situation hineinmanövriert. Erst versagte mein Hund und jetzt auch noch das! Meinem Köter wollte ich bei der Heimfahrt aber meine Meinung geigen, so eine Pleite!
Wir mussten die Hunde wieder auf den Boden setzen, und ich kam ums Einführen herum. Die Hunde verschwanden wieder im Garten und wir bekundeten uns gegenseitig unser Bedauern.
Plötzlich jaulte die Hündin unter dem Tisch auf. Wir forschten beide sogleich nach den Ursache ihres Schmerzes. Was soll ich Ihnen sagen, die Hunde hingen! Die Dame eilte hocherfreut ins Haus und holte Sekt. Ich entschuldigte mich schon einmal vor meinem selig hechelnden Rüden. Im Nachhinein wurde mir klar, dass das alles auf dem Tisch überhaupt nicht funktionieren konnte. Ich hätte das auch nicht geschafft.
Unter dem Tisch hingegen gab es einen gewissen Sichtschutz und schon klappte es. Bei der späteren Heimfahrt kaufte ich meinem Rauhaardackel auf der erstbesten Autobahnraststätte eine Bratwurst. Der Rüde verschlang sie blitzschnell, rollte sich dann wieder zusammen und „entschlief“. Von was er wohl träumte?
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